Das Projekt Zweiheit bringt neben den vielen sonnigen Seiten natürlich auch einige schattige mit sich und eben diese möchte ich heute ansprechen. Die Zeit, die ich vor dem MacBook oder am Handy verbringe hat sich durch „Zweiheit“ radikal erhöht. Ich liebe es unsere Statistiken anzuschauen und zu analysieren. Dutzende Male am Tag denk ich an unser Projekt. Zudem sprechen wir häufig über zukünftige Inhalte, planen unser Vorgehen und feiern unsere bisherigen Meilensteine. Kurzum: Zweiheit ist bereits jetzt ein fester Bestandteil unserer Reise geworden und begleitet uns wie ein Baby. Bis jetzt war dafür immer reichlich Zeit vorhanden. Wir waren stets am selben Ort stationiert und hatten unendlich viel Zeit unser Projekt zu etablieren. Das ändert sich ab sofort!

Ich bin ein Like-Junkie

Ich glaube ich bin süchtig nach Likes und neuen Abonnenten. Nicht erst seit dem Beginn von Projekt Zweiheit. Jedoch wird es mir jetzt noch stärker als je zuvor vor Augen gehalten. Jedes Mal wenn ich sehe, dass wir einen neuen „Verfolger“ haben, jemand einen Kommentar oder Like hinterlässt, gibt mir das einen kleinen Kick. Einerseits geniesse ich das zwar sehr, andererseits kommt es mir im selben Atemzug so vor , als ob ich mich von einem Junkie, der sich sein Zeug in die Adern schiesst, nur geringfügig unterscheide. Ja, der Vergleich ist krass. Sehr sogar. Aber für mich fühlt er sich dennoch stimmig an.

Versteh mich richtig! Es macht riesig viel Spass mit Jess an diesem Projekt zu arbeiten! Es schweisst uns zusammen, gibt uns die Möglichkeit unsere Fertigkeiten zu verfeinern und Ausdruck für unsere Kreativität zu finden. Zudem gibt es uns die Chance, dass jeder etwas für sich alleine tun kann, was schlussendlich beiden weiterhilft. Das ist der Wahnsinn!

Wenn sich aber plötzlich die Reise ums Projekt und nicht mehr das Projekt um die Reise dreht, läuft etwas gewaltig schief.

Würdest du dich auch als Like-Junkie bezeichnen?

Der Moment geht verloren, wenn man ihn versucht festzuhalten

Weil ich darauf konzentriert bin, irgendwelche Inhalte für unser Projekt zu erzeugen, gehen mir viele wertvolle Reiseerfahrungen durch die Lappen. Anstatt den atemberaubenden Sonnenuntergang zu bestaunen, krame ich in meiner Tasche nach dem Fotoapparat oder Handy und versuche den Moment festzuhalten. Im schlimmsten Fall ist die Sonne schon hinter dem Horizont verschwunden bis ich endlich bereit für ein Foto bin.

Währenddem man versucht Momente für die Ewigkeit festzuhalten, vergisst man, eben diese Momente richtig wahrzunehmen und zu geniessen. 

„Symptome“ dieser „Krankheit“ fallen auch mir bei vielen anderen Reisenden auf. Viele rennen mit ihren Selfie-Sticks von einem Ort zum anderen, ohne sich wirklich darauf zu achten, was um sie herum eigentlich passiert. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass wir es bevorzugen anderen unsere Geschichten zu erzählen, anstatt sie selber zu erleben! Aber das ist nur eine Spekulation meinerseits.

Wie hast du dich gefühlt, als du diesen Abschnitt gelesen hast? Erkennst du vielleicht bei dir persönlich auch solche oder ähnliche „Symptome“?

Ist das das Ende?

Natürlich nicht. Jedoch ich will mein digitales (Sucht)Verhalten ändern. Es kann und wird so nicht weiter gehen. Was mir wirklich entgegen kommt ist, dass sich die Art und Weise wie wir unterwegs sind, fundamental verändert hat. Da wir ständig auf Achse sind, bleibt gar nicht mehr viel Zeit, um sich im Internet zu verlieren und wenn ich mich vor den Bildschirm setze, will ich diese Zeit effektiver nützen. Artikel schreiben zum Beispiel. 😀

Zusätzlich will ich mich darauf konzentrieren, vermehrt bewusste Offline-Zeiten einzuführen, in denen ich mich von allem, was mit Strom angetrieben wird fern halte. Okay, bei Ventilatoren und Klimaanlagen mache ich eine Ausnahme. 😛

Witzig: Wie durch „Zufall“ hab ich mein Handy bei Jess’s Vater vergessen. Die letzten zwei Wochen habe ich ohne Smartphone verbracht und dies sehr genossen. Jetzt, wo ich aber wieder Zugriff darauf habe, fängt die Challenge erst richtig an!

Süchtig sein ist nur schlimm, wenn man sich seiner Sucht bewusst wird. Da ich mir meine digitale Sucht jetzt eingestehen kann, löst sie in mir grosses Unbehagen aus. So will ich nicht leben! Schliesslich bieten sich momentan unendlich viele Möglichkeiten, die es mir eigentlich erleichtern sollten, mich mehr auf das „Hier und Jetzt“ zu konzentrieren.

Ich will frei sein. Am Besten in allen Lebensbereichen. Dazu gehört auch, loszulassen von seinen Süchten. Ach, wenn das nur so einfach wäre wie darüber zu schreiben… Dann hätten Tabakkonzerne ein echtes Problem.

Nun gilt es, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Oft will ich viel zu viel aufs Mal und zwar SOFORT. Was am Ende dazu führt, dass ich nach einer kurzen Zeit wieder da stehe, wo ich angefangen habe.

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